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Yamaha: Yamaha FJR 1300

Müssen Tourenmaschinen haltlos über Straßen wabbeln? Sind Langstreckenkomfort und dynamisch sportliches Treiben wirklich Gegensätze? Die Ingenieure von Yamaha antworten mit einem klaren Nein und dem Kürzel FJR 1300
Zwei Typen von Motorrad-Fahrern will Yamaha mit der neuen FJR 1300 vor allem ansprechen. Erstens den Touren-Aufsteiger mit Lust auf dynamisches Fahren in einer Leistungskategorie, die auch den Entwicklungen auf dem Supersport-Markt die Stirn bieten kann; zweitens den gereiften Aussteiger aus der supersportlichen Klasse, den sein Bewegungsapparat allmählich in die Schranken weist, der aber auf potente Fahrdynamik nicht verzichten will. Die Stoßrichtung der FJR ist klug gewählt. Im letzten Jahr waren Tourer und Supersportler diejenigen Segmente, die mit etwa 15 respektive 13 Prozent hohe Zuwachsraten verzeichnen konnten.
Ob die Zielgruppe tatsächlich in angepeilter Form existiert, wird das Jahr 2001 zeigen. Schließlich zogen bisher schon zahlreiche Sporttourer mit Erfolg eine Klammer um Komfort und Sport. Und trotzdem. So etwas wie die FJR 1300 hat es noch nicht gegeben. Schon die Leistungsdaten heben sie in Regionen empor, in denen die Flutlichter des Stammtisch-Interesses ein grelles Licht werfen. 143,5 PS, mehr als 130 Newtonmeter, Einspritzung und geregelte Katalysatoren. Laut Werk wurden die Abgaswerte auf unter 50 Prozent der Euro 2-Werte gedrückt. Ein klares Plus, Tourenfahrer sind umweltbewusst.

Weder leicht noch schlank. Doch hoher Komfort in Verbindung mit Zielgenauigkeit, Neutralität, Handling und Stabilität machen die FJR zum Reiseross mit Sprinterqualitäten.
Sportlich und Bequem
Auch die sonstige Konstruktion kann sich sehen lassen. Leichtes Aluminium bei Brückenrahmen und Schwinge. Die Telegabel beeindruckt mit einem massiven Standrohrdurchmesser von 48 Millimetern, die Federelemente sind voll einstellbar. Sportfans sind zufrieden, die Tourerklientel auf der Suche nach dem perfekten Lümmelsessel wird gleichermaßen befriedigt. Eine perfekte Sitzposition erlaubt lächelnd Kilometer zu fressen, und die im linken Schwingenholm verlaufende Kardanwelle ermöglicht den Verzicht aufs Kettenfett. Per Knopfdruck lässt sich das Windschild einjustieren, in unterer Stellung entlastet es die Brust vom Winddruck, hochgefahren den kompletten Helm. Nicht ganz geräuschlos, aber wirbelfrei. Toll gelöst.
Fehlt nur noch eins, was den Tourenfreund erfreut, und in diese schwärende Wunde müssen wir unsere bohrenden Finger legen. Ein Motorrad mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 476 Kilogramm sollte ein Antiblockiersystem haben, zumindest optional. "Wissen wir", sagt Yamaha und will langfristig auch ein ABS anbieten. Für die Markteinführung aber kämpfte man sowieso schon mit dem seinerzeit kräftigen Yen. Ein höherer Preis wäre Selbstmord gewesen.
Sie ist ein großes Motorrad im Wortsinne, die neue Yamaha, mit einem ausladenden Radstand von über 1,5 Metern, wuchtig ausgreifendem Rahmen und breiter Tankbasis. Das Gesamtarrangement sieht nicht besonders fragil aus. Und fasst sich auch nicht so an. Mit etwa 260 Kilogramm fahrfertig ist zu rechnen, das ist nicht gerade Ballerinaklasse.

Ins Heck integrierte Blinker, der Gepäckträger ist serienmäßig.
Handlich und Stabil
Nach dem Anrollen verflüchtigen sich die Bedenken. Handlich und leicht einlenkbar lässt die Yamaha die Pfunde vergessen. Bei etwa 80 km/h steigt der Steueraufwand, der Lenker fasst sich steifer, aber niemals stur an. Für diese Fahrwerksgeometrie mit langem Radstand und Nachlauf bietet die FJR ein überraschend flinkes Handling. Der Geradeauslauf ist dabei bis weit über 200 km/h auf der vertrauensvoll stabilen Seite. Nur wenn bei voll ausgefahrener Scheibe die Tachonadel über die 180 km/h hinwegwischt, macht sich ein leichtes Rühren um die Hochachse bemerkbar.
Traumhaft ist das neutrale, unprätentiöse Fahrverhalten in Schräglage. Hundertprozentig zielgenau und homogen vom Einlenken bis zum Rastenkratzen, lauern in keiner Fahrsituation unliebsame Überraschungen. Selbst auf der Bremse folgt die FJR unbeeindruckt den Lenkimpulsen. Dabei führen gut ansprechende Federelemente in Zusammenarbeit mit den Metzeler Z4-Reifen in Sonderkennung Fahrer und Fahrzeug weich über Asphaltwunden, anfängliches Rühren des Hecks beim Überfahren von Bodenwellen konnte durch Erhöhen der Zugstufendämpfung unterbunden werden.
Dass der Motor die Leistungsansprüche befriedigt, ist bei seinen Daten keine große Überraschung. Dabei spricht die Einspritzung zwar nicht auf den Punkt verzögerungsfrei an, doch dafür lassen sich bei normal ausgeprägter Fahrermotorik auch keine störenden Lastwechsel provozieren. Der Reihenvierer ist schon ein beeindruckender Kraftmeier, was zwischen 6000 und 8000/min geboten wird, hat mit Touring wenig zu tun. Ganz kommen die zwei Ausgleichswellen mit den Vibrationen leider nicht zu Rande. Ab 5000/min kribbelt's spürbar in den Rasten, bei 6000/min schwingen dann die Lenkerenden mit. Am Umweltgewissen rüttelt dazu der hohe Spritverbrauch. Während unserer Testfahrt genehmigte sich der Dampfer trotz seines insgesamt sehr moderaten Drehzahlniveaus runde acht Liter pro 100 Kilometer. Da ist der geregelte Abgas-Katalysator nur ein schwacher Trost.
Abseits dieses Mankos hat Yamaha die eigenen Anforderungen an ein sportliches Reisemotorrad mit der FJR 1300 perfekt umgesetzt. Wenn der Markt die gleichen Ansprüche hat, wofür einiges spricht, dann hat dieses Motorrad eine erfolgreiche Zukunft vor sich.

Unauffällige Kofferhalterung sind serienmäßig integriert, der Koffersatz in Fahrzeugfarbe kostet 1390 DM. Weiteres Zubehör: Heizgriffe für 524 DM, Fuß-Windabweiser für 329 DM und ein U-Schloss für 249 DM.
Technische Daten:
Preis:Leistung: 143,5 PS (105,5 kW) bei 8000/min. Maximales Drehmoment 134 Nm bei 7000/min
Motor: Viertakt-Vierzylinder-Reihenmotor, wassergekühlt. Vier Ventile pro Zylinder. Bohrung x Hub 79 x 66,2 mm, Hubraum 1298 ccm, Verdichtung 10,8. Elektronische Benzineinspritzung. Kontaktlose Zündung. Elektrostarter. Fünfganggetriebe. Endantrieb über Kardan
Fahrwerk:Aluminium-Brückenrahmen. Vorn Telegabel, x 48 mm, voll einstellbar, Federweg 135 mm. Hinten Leichtmetallschwinge mit Monofederbein, Zugstufendämpfung einstellbar, Federvorspannung zweistufig justierbar, Federweg 120 mm. Bereifung vorn 120/70-ZR17, hinten 180/55-ZR17. Doppelscheibenbremse vorn, x 298 mm, Scheibenbremse hinten, x 282 mm. Radstand 1515 mm. Sitzhöhe 805 mm. Tankinhalt 25 Liter
Garantie und Service: Zwei Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Erstinspektion bei 1000 km, dann alle 10000 km
Fixkosten: Steuer im Jahr 172,80 Mark. Versicherung Haftpflicht bei 100 % Beitragsrate 710 Mark (Zirkatarif)
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Beitrag vom 14.06.2001
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