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eine Ebene höher BMW: BMW R 1150 RS

Acht Jahre nach ihrer Markteinführung bekommt die Urversion der neuen BMW-Boxergeneration umfangreiche Modellpflege spendiert: mehr Hubraum, mehr Leistung und Drehmoment, Sechsganggetriebe, leichte Räder mit effizienter Evo-Bremse und optionales Integral-ABS

Für den Neuaufguss der RS wurden in erster Linie Bauteile des Tourenboxers R 1150 RT übernommen. Speziell in der hier gezeigten Version in Titansilber macht die an sich betagte Konstruktion immer noch eine überaus elegante Figur.
Dabei war die RS noch nie ein Leichtgewicht. Mit dem optionalen Integral-ABS wiegt der schmucke Boxer voll aufgetankt immerhin 256 Kilogramm. Viel für ein Motorrad, das konzeptionell ohne Fahrgestell im herkömmlichen Sinn auskommt. Der Boxerblock ist zugleich voll tragendes Fahrwerksbauteil.


Silber steht ihr gut. Die R 1150 RS rollt vorne wie hinten auf 17 Zoll großen Rädern. Integral-ABS als Sonderausstattung (ca. 1020 EURO)

Dass die Bayern aber in Sachen Fahrwerk die Nase ganz weit vorn haben, wird schon auf der ersten Ausfahrt über winklige Nebenstraßen überdeutlich. Vollendeter Fahrkomfort paart sich mit leichtfüßigem Handling und wundervoll neutraler Kurvenlage. Dieses Arrangement lässt einen den ansatzweisen Hüftspeck der Maschine schnell vergessen. Die RS hat ein klasse Fahrwerk. Der Unterschied zur sehr viel sportlicher verpackten R 1100 S ist verschwindend gering, nur bietet die RS den wesentlich bequemeren Sitzplatz, vor allem für den Sozius.
Die Klasse des Fahrwerks erreichte der Motor unserer Testmaschine jedoch nicht. Der 1150er tourte ab mittleren Drehzahlen mit rauen Vibrationen, zudem nervte er mit Konstantfahrruckeln. Besonders bei 3000/min und leicht angelegtem Gas fühlte sich der Boxer sehr magenkrank an.
Dafür liess sich das jetzt mit hydraulisch betätigter Kupplung ausgestattete Sechsganggetriebe sehr leicht und exakt schalten. Auch die mitunter gerügte Schaltbarkeit zwischen Gang fünf und sechs war einwandfrei. Typisch BMW dafür der ausgeprägte Leerwegschlag in den kleinen Gängen, wenn über den Gasgriff harte Lastwechsel provoziert werden.

Elegante Erscheinung. Die Produktion der neuen RS läuft im Werk Berlin nach den Sommerferien an

Gang sechs ist bei der RS als drehzahlsenkender Overdrive ausgelegt. Bei 100 km/h im letzten Gang schnurrt der Boxer mit moderaten 3000/min. Rein rechnerisch könnte die RS mit dieser Getriebeauslegung über 240 km/h schnell rennen. Dafür reicht freilich der Dampf des Boxers in Verbindung mit der doch beträchtlich großen Stirnfläche nicht aus. Zumal bei unserem Prüfstandslauf von den angegebenen 95 PS nur 86 Pferde ihren Dienst auf der Messrolle antraten. Allerdings fiel die Messung in die extrem heißen Hochsommertage Anfang August. Eine Nachmessung am frühen Morgen unter klimatisch kühleren Bedingungen brachte jedoch auch nur 89 PS zum Vorschein.
So kann sich die neue RS gegenüber der Urversion in Sachen Fahrleistungen nicht in Szene setzen. Das alte Fünfgangmodell ist im letzten Gang zudem durchzugstärker. Wegen des drehzahlsenkenden Overdrive der neuen RS sicher kein fairer Vergleich. Wird die Neue im fünften Gang bewegt, kommt gewiss keine Langeweile auf. Für moderates Kilometersammeln auf der Bahn ist der Overdrive jedenfalls ein klarer Gewinn.
Das lässt sich ohne weiteres auch vom optionalen Integral-ABS sagen. Eine klasse Bremse mit fulminantem Griff, die zugleich auch die hohe Fahrwerksgüte der RS unter Beweis stellt. Selbst zackiges Bremsen in Schräglage quittiert die Metzeler-bereifte Maschine nur mit allermildestem Aufstellen.


Bequeme Sitzpolster für Fahrer und Sozius. Der Fahrersitz kann in der Höhe dreistufig eingestellt werden

Unbestritten sind die Talente der RS als sportlich ausgerichtetes Langstreckentier. Die jetzt großflächigere Verkleidungsscheibe in der flachen Position einjustiert, lassen sich auf der Bahn bei 160 km/h Dauertempo überaus kommod absitzen. Sitzkomfort und gekonnte Ergonomie tun ein übriges, um Kilometerfressen zum Vergnügen werden zu lassen. Hervorragend ebenso das perfekte Kontaktgefühl zum Motorrad. Die Beine nehmen über die volle Fläche Tuchfühlung zur Maschine auf.
Da passt auch der Spritdurst des Boxers gut ins Bild. Im sportlich-touristischen Einsatz gibt sich das Motorrad mit 4,3 Liter pro 100 Kilometern zufrieden.
11700 Euro soll die neue R 1150 RS kosten, also runde 23000 Mark. Mit dem üblichen und sinnvollen Werkszubehör wie ABS, Koffersatz und Heizgriffen stehen schnell 26000 Mark auf der Rechnung. Immer noch ein akzeptabler Tarif für ein Motorrad mit überragendem Nutzwert und hohem Markenimage. Das Konstanfahrruckeln ist der einzige echte Störfaktor der RS. Beseitigen kann das Problem nur ein schneller Einspritzrechner oder eine geänderte Gemischabstimmung im Teillastbereich. Die würde dann aber mehr Sprit kosten. Und das wäre politisch absolut unkorrekt.



Technische Daten

Preis: 11700 Euro
Leistung: 95 PS (70 kW) bei 7250/min. Maximales Drehmoment 100 Nm bei 5500/min
Motor: Viertakt-Zweizylinder-Boxermotor, luft-ölgekühlt. Bohrung x Hub 101 x 70,5 mm, Hubraum 1130 ccm, Verdichtung 11,3. Elektronische Benzineinspritzung. Kontaktlose Zündung. Elektrostarter. Sechsganggetriebe. Endantrieb über Kardan
Fahrwerk: Motor-Getriebe-Fahrwerksverbund mit angeschraubten Hilfsrahmen. Vorn an Längslenker geführte Telegabel (Telelever), Federweg 120 mm, hinten Einarm-Leichtmetallschwinge mit Momentabstützung (Paralever) und Monofederbein, Federweg 135 mm. Bereifung vorn 120/70ZR17, hinten 170/60ZR17. Vorn Doppelscheibenbremse, x 320 mm, hinten Scheibenbremse, x 276 mm. Radstand 1473 mm, Sitzhöhe 780 bis 820 mm, Tankinhalt 23 Liter
Garantie und Service: Ein Jahr Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Service bei 1000 km, dann alle 10000 km
Fixkosten: Steuer im Jahr ca. 85 EURO, Versicherung Haftpflicht bei 100 % Beitragsrate ca. 230 EURO

MO-Messwerte

Gewicht vollgetankt: 256 kg, davon 52,3 % vorn
Topspeed solo liegend: 210 km/h
Beschleunigung von 0 bis 100 km/h: 4,1 s
Durchzug im letzten (6.) Gang von 60 bis 140 km/h: 12,5 s
Testverbrauch (Superbenzin): 5,5 l/100 km




Das Urmodell BMW R 1100 RS Baujahr 1993

In Gestalt der R 1100 RS trat anno 1993 der neue Boxer mit internem Typkürzel 259 erstmals ans Licht der Öffentlichkeit. Mit 90 PS bei 7250/min war der Boxer gegenüber der Konkurrenz anständig gesattelt, das Erscheinungsbild hob sich schon damals eindeutig von sämtlichen Mitbewerbern ab.
Zunächst gab es die RS nur gegen Aufpreis (899 Mark) mit Vollverschalung. Zum Standardpaket gehörte lediglich eine bis zu den Zylindern reichende Halbverkleidung. Der neue Boxer wurde noch in seiner ganzen Pracht zur Schau gestellt. Ergonomiepaket, ABS, Info-Display und geregelten Abgaskatalysator gab es gegen Aufpreis. 1993 kostete die Basisversion der R 1100 RS schon 19700 Mark.
Das Motorrad rollte vorn auf einer
17 Zoll großen Felge, hinten kam noch der für touristische Zwecke günstiger erscheinende 18-Zöller in der Größe 160/60ZR18 zum Einsatz. Von dieser Reifenwahl versprach man sich neutrales Kurvenverhalten, Stabilität und hohe Laufleistung dank größerem Abrollumfang.
Die alte RS ist also auch heute noch ein gutes Motorrad. Zwar ist der Einspritzrechner der ersten Generation inzwischen durch fixere Technik überholt worden. Wie die neue R 1150 RS aber zeigt, ist das Kernproblem, nämlich das Konstantfahrruckeln auch mit dem aktuellen Motronic-Rechner nicht aus der Welt. Gebrauchtkäufer erwerben mit einer gut gepflegten R 1100 RS ein Motorrad, das technisch auf Höhe der Zeit ist.
Gegenüber dem neuen 1150er Boxer bietet die alte Version sogar den Vorteil des etwas weicheren, vibrationsärmeren Motorlaufs.
Für Touringeinsatz im besten Sinn ist die RS ein idealer Untersatz. Bequeme Sitzplätze für Fahrer und Sozius sind ebenso selbstverständlich wie sehr guter Federungskomfort dank supersensibel ansprechender Telelever-Vorderradführung.
Sammler sollten also langsam Ausschau nach guten Erstserien-Exemplaren halten. Ab 9000 Mark können Sie einen sehr guten Griff tun. Ganz abhängig von Ihrem Verhandlungsgeschick. Ein überaus günstige Gelegenheit für einen modernen Klassiker mit unschlagbarem Gebrauchswert.


In Gestalt der R 1100 RS erblickte der neue BMW-Vierventilboxer im Frühjahr 1993 offiziell das Licht der Motorradwelt



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Beitrag vom 07.05.2002
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