{"id":1946,"date":"2014-09-25T09:15:04","date_gmt":"2014-09-25T09:15:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/?p=1946"},"modified":"2015-06-25T12:07:21","modified_gmt":"2015-06-25T12:07:21","slug":"tag-7-tagsueber-ponyausflug-nachts-abdeckerei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/tag-7-tagsueber-ponyausflug-nachts-abdeckerei\/","title":{"rendered":"Tag 7: Tags\u00fcber Ponyausflug, nachts Abdeckerei."},"content":{"rendered":"<p>Kann man das wirklich alles so schreiben?<!--more--><\/p>\n<p>Wir wollen ja, dass m\u00f6glichst viele Abenteurer die Faszination der Himalaya-Region kennen lernen. Und wir freuen uns nat\u00fcrlich auch \u00fcber jeden Teilnehmer der DANE TROPHY TRANSHIMALAYA 2015. Daher waren wir bei der Beschreibung des Tags 7 in einem gewissen Zwiespalt: W\u00e4hlen wir die abgemilderte, softe Beschreibung der &#8222;kleineren Schwierigkeiten&#8220; in der H\u00f6he oder eine offene Schilderung der Leiden jenseits der 4000m.<\/p>\n<p>Da die Wahrheit ein hohes Gut ist und wir nat\u00fcrlich m\u00f6chten, dass jeder der potentiellen Teilnehmer der kommenden Jahre wei\u00df, was im Falle seiner Teilnahme auf ihn zukommt, haben wir uns f\u00fcr Letzteres entschieden.<\/p>\n<p>Wie schon in den vorherigen Berichten erw\u00e4hnt, hat der Bewohner der norddeutschen Tiefebene eine naive Vorstellung von der Auswirkung der H\u00f6he. Wenn die h\u00f6chste Erhebung der Deich ist und die Stra\u00dfen so gerade und leer sind, dass man auf der A31 f\u00fcr 4km mit etwas gutem Willen nur 1min ben\u00f6tigt, dann haben 4000 H\u00f6henmeter allenfalls eine abstrakte Bedeutung.<\/p>\n<p>&#8222;Die Tour ist kein Ausflug zum Ponyhof&#8220; haben wir unsere Teilnehmer versucht vorzuwarnen. Aber weder dieser Spruch noch eine ausf\u00fchrliche Beschreibung der eigenen Erfahrungen mit der Auswirkung der H\u00f6he k\u00f6nnen ad\u00e4quat auf die ersten Tage jenseits dieser Grenze vorbereiten. Denn jeder leidet f\u00fcr sich und auf seine Weise.<\/p>\n<p>Wir sind also in Sarchu angekommen: 4200m.<br \/>\nMit dem Begriff &#8222;Zelten&#8220; verbindet man in der Regel die ersten angstvollen N\u00e4chte im Garten der Eltern oder die Sparversion eines Lloret de Mar Ausflugs mit Anfang 20.<br \/>\nIn Sarchu bekommt das Wort Zeltcamp eine andere Bedeutung: Vor fantastischer Kulisse eine malerische Anordnung von -f\u00fcr nach indische Verh\u00e4ltnissen &#8211; luxeri\u00f6sen wei\u00dfen Zelten, inklusive eigener Na\u00dfzelle und diese sogar mit viel Keramik.<\/p>\n<p>&lt;img class=&#8220;ngg_displayed_gallery mceItem&#8220; src=&#8220;http:\/\/dane-trophy.de\/nextgen-attach_to_post\/preview\/id&#8211;1120&#8243; alt=&#8220;&#8220; \/&gt;<\/p>\n<p>Bereits bei unserer Ankunft um 16:30 Uhr spaltet die H\u00f6henwirkung die Gruppe in verschiedenste Lager: W\u00e4hrend sich die ersten sofort ins Zelt zur\u00fcck ziehen und bis zum n\u00e4chsten Morgen nicht mehr gesehen werden, gibt es eine weitere Fraktion, die das Szenario gut gelaunt bei einem Kingfisher-Bier auf sich wirken l\u00e4\u00dft. Thomas und ich machen noch ein paar Filmaufnahmen, Christian unternimmt, wie immer auf der Suche nach dem perfekten Motiv, sogar noch eine erstaunliche 3km Wanderung. Sp\u00e4ter am Abend nutzen wir das unglaubliche Abendlicht, um noch ein paar Bilder f\u00fcr den Katalog zu machen.<\/p>\n<p>Fazit: Der einen H\u00e4lfte der Truppe geht es bestens, bei der anderen beginnen die stillen Leiden. Irgendwann in den folgenden 3 Tagen auf \u00fcber 4000m trifft es nahezu jeden. Leider ist nicht vorhersehbar wann, wie und wie stark. Dieses Jahr hatten wir mit Eckhardt einen 73j\u00e4hrigen dabei, der keine bis kaum Probleme hatte; im vergangenen Jahr hatten wir einen 40j\u00e4hrigen Triathleten auf der Tour, der aufgrund der Ersch\u00f6pfung in einer Pause mit dem Kopf auf dem Lenker eingeschlafen ist.<\/p>\n<p>Die Symptome der H\u00f6he: Schlaflosigkeit, Kopfschmerz, bisweilen leichter Sch\u00fcttelfrost und Konzentrationsschw\u00e4che, mit der angesichts am Rande der Strecke befindlichen Abgr\u00fcnde nicht sorglos umgegangen werden sollte.<\/p>\n<p>In Sarchu hatten wir mit Hansi den ersten Kandidaten, der in einer Nacht 15 W\u00e4rmepads verbraucht habt, um -unter der Decke liegend- dem Sch\u00fcttelfrost entgegen zu wirken.<\/p>\n<p>Der best\u00e4ndige Kopfschmerz l\u00e4\u00dft dabei nur wenig Schlaf zu. Ein Satz, der im europ\u00e4ischen Wohnr\u00e4umen nicht allzu erschreckend daher kommt. Wenn man allerdings in einem indischen Zelt liegt und der Kopfschmerz den Schlaf verhindert, wird eine 10st\u00fcndige Nacht sehr lang.<\/p>\n<p>Wir wollen es so offen schreiben: In dieser Nacht gab es den einen oder anderen Teilnehmer, der sich fragte: &#8222;Was mache ich eigentlich hier?&#8220;<br \/>\nUnd wenn es denn eine M\u00f6glichkeit g\u00e4be, w\u00fcrde er auch in die Versuchung geraten, den schnellen Flieger zur\u00fcck zu besteigen.<br \/>\nWir wollen es aber genau so offen schreiben (und auch durch Aussagen der Teilnehmer belegen): Vor und nach diesen schlaflosen N\u00e4chten, entsch\u00e4digt der Himalaya 1000fach f\u00fcr die kurzen Strapazen.<\/p>\n<p>Wenn die Akklimatisierung vollzogen ist, sind die Sinne noch mehr bereit f\u00fcr die Aufnahme der Gro\u00dfartigkeit der Landschaft, des Lichts und der Gesamtheit der Eindr\u00fccke.<br \/>\nDie kurze Zeit des Leidens w\u00e4hrend der H\u00f6henakklimatisierung ist bei der Gesamtschau auf die Tour letztendlich ein Bestandteil der Erlebnisse, die die der Intensit\u00e4t dieser Reise ausmachen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens in dieser Nacht wird uns allen klar, dass es sich wahrlich nicht um einen Ponyausflug handelt. Die H\u00f6he fordert den K\u00f6rper und den Geist. Wir sind im h\u00f6chsten Gebirge der Welt und bekommen eine leise Ahnung davon, welch unglaubliche Leistung Menschen erbringen, die die h\u00f6chsten Gipfel dieses Gebirges erklimmen.<\/p>\n<p>Am Morgen des Tages 7 in unserem Zeltlager in Sarchu mu\u00df unser Kopf einen irrwitzigen Kontrast verarbeiten: Die Sonne taucht das fantastische Panorama in weiches Licht. Die Landschaft ist wunderbar, die Temperaturen sommerlich warm und der Mensch f\u00fchlt sich wie ausgekotzt. Am Fr\u00fchst\u00fcckstisch wird geschwiegen oder allerh\u00f6chstens \u00fcber die Leiden der Nacht gesprochen.<br \/>\nMancher Teilnehmer l\u00e4\u00dft das Fr\u00fchst\u00fcck g\u00e4nzlich ausfallen. Die l\u00e4cherlichen 70m zum Fr\u00fchst\u00fcckszelt sind eine Qual und es ist kaum vorstellbar, heute ein Motorrad durch das Ger\u00f6ll zu pr\u00fcgeln.<\/p>\n<p>Auch wenn sich niemand offenbart: G\u00e4be es eine realistische M\u00f6glichkeit, w\u00fcrde ein Teil der Truppe an diesem Morgen wohl die Tour abbrechen.<\/p>\n<p>Moti, unser Guide,\u00a0 kennt diese Stimmung und er wei\u00df auch, dass sich diese sofort \u00e4ndert, wenn die Motorr\u00e4der bestiegen sind. Mit gro\u00dfer Bestimmtheit dr\u00e4ngt er also auf eine Abreise um 8:00 Uhr. Die Motorr\u00e4der laufen bereits, unsere indischen Helfer haben jede Maschine bereits angekickt. Denn, so unvorstellbar dies erscheinen mag, nach mehr als 2x kicken w\u00e4re man an diesem Morgen extrem geschw\u00e4cht.<\/p>\n<p>Ein Teilnehmer hat sich aufgrund der Erfahrungen der Nacht, verst\u00e4rkt durch anhaltenden Durchfall, dazu entschieden, die heutige Tagesetappe im Bus zu absolvieren.<br \/>\nImmerhin 19 Mann verlassen aber auf den Maschinen die wundersch\u00f6ne Zeltstadt Sarchu, f\u00fcr die sie heute aber keinen Blick haben. Denn jeder ist stark mit sich selbst besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Dann aber, wie von Moti vorher gesagt, nach wenigen Metern weicht die Ersch\u00f6fung aus den K\u00f6rpern. Das Gehirn erh\u00e4lt Sauerstoff, der Kopf wird frei und der gerade noch gebeutelte Mensch sehr gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung ist sehr einfach: Der Fahrtwind pre\u00dft den erhofften Sauerstoff in die Lungen.<br \/>\nDie Sinne sind wieder bereit f\u00fcr das himalayanische Kino.<br \/>\nUnd hier, auf dem Weg von Sarchu nach Tso-Kar, ist es besonders gro\u00df!<\/p>\n<p>&amp;nbsp;<\/p>\n<p>Bei Sarchu verlassen wir den Bundesstaat Himachal Pradesh und gelangen nach Ladakh. Die Landschaft ist karg, bizzar. Felsformationen ocker bis braun. Wir kurven hinauf auf den Nakee La und weiter auf den Lachung La. Der Lachulung La liegt in der Region Ladakh im indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir. Er trennt die T\u00e4ler des Tsarap Chu und des Tozay Chu, welche beide \u00fcber den Zanskar dem Indus zuflie\u00dfen. Und wir haben erstmals die 5000er Marke \u00fcberschritten. Wir stehen auf 5.059 m. Die Kopfschmerzen sind vergessen. Und der n\u00e4chste H\u00f6hepunkt naht im Abstieg: Kurz vor Pang verengt sich die Schlucht zu einem einzigartigen Canyon. Die Stra\u00dfe ist sensationell in die Felsen geschlagen und windet sich hinab zum Flussgrund. Nach einer ausgiebigen Foto- und Videosession geht es weiter zum Verpflegungscamp in Pang.<\/p>\n<p>Nachdem wir uns wieder gest\u00e4rkt haben, nehmen wir die 26 Kehren hinauf in die Pang Moore Plains. Es folgt eine unbeschreiblich sch\u00f6ne, w\u00fcstenhafte Hochebene mit einer Hochgeschwindigkeitsstrecke: Die Stra\u00dfe ist \u00fcber 40 km durchgehend asphaltiert.<\/p>\n<p>Dieses Jahr fahren wir jedoch nicht weiter \u00fcber den Taglang La, sondern biegen in die Sandpiste nach Tso Kar, einem Salzsee ab. Heute \u00fcbernachten wir auf 4.500 m. Kaum steigen wir von unseren Bikes, kommt die M\u00fcdigkeit, die Kopfschmerzen und bei dem einen oder anderen die \u00dcbelkeit.<\/p>\n<p>Der Tag war ein Ponyausflug. Diese Nacht geht es wieder zur Abdeckerei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann man das wirklich alles so schreiben?<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":1947,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1946"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1946"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1946\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1979,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1946\/revisions\/1979"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1947"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1946"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}