{"id":1949,"date":"2014-09-25T09:17:53","date_gmt":"2014-09-25T09:17:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/?p=1949"},"modified":"2015-06-25T12:15:24","modified_gmt":"2015-06-25T12:15:24","slug":"tag-8-wenn-jemand-eine-reise-tut-so-kann-er-etwas-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/tag-8-wenn-jemand-eine-reise-tut-so-kann-er-etwas-lernen\/","title":{"rendered":"Tag 8: Wenn jemand eine Reise tut, so kann er etwas lernen*"},"content":{"rendered":"<p>Hoppla.<br \/>\nAls unsere letzte Etappe in Tso Kar endete, zeigt die Uhr 16:15 Ortszeit an.<!--more--><\/p>\n<p>Cirka 16:30 wollte ich mich f\u00fcr 5min hinlegen.<\/p>\n<p>15 Stunden(!) sp\u00e4ter bin ich wieder erwacht.<\/p>\n<p>Tso Kar ist eine Ansammlung von kleinen einfachen Gasth\u00e4usern in der N\u00e4he eines Salzsees auf 4.500m H\u00f6he.<br \/>\nDie k\u00f6rperlichen Auswirkungen der H\u00f6he (Kopfschmerz, Konzentrationsschwierigkeiten) haben mich w\u00e4hrend des ganzen Tages begleitet.<br \/>\nWir sind auf dieser Etappe dauerhaft auf \u00fcber 4000m H\u00f6he geblieben, hatten den ganzen Tag \u00fcber 30 Grad Celsius und haben am Ende eine W\u00fcste durchquert.<br \/>\nNach meinem Gef\u00fchl ist durch die intensive Sonnenstrahlung w\u00e4hrend des Tages zu den oben genannten Symptomen noch ein weiteres hinzu gekommen: Ein Hitzschlag.<br \/>\nDenn am Zielort angekommen f\u00fchlte ich mich angeschlagen und fr\u00f6stele ein wenig, so da\u00df ich beschlie\u00dfe, mich sofort f\u00fcr ein paar Minuten unter die Decke zu legen.<\/p>\n<p>Trotz 30 Grad Hitze nutze ich 2 Decken.<br \/>\nUm 8:00 Uhr am Morgen des kommenden Tages werden meine Kameraden mich erst wiedersehen. Immerhin wieder aufrecht stehend.<\/p>\n<p>15 Stunden habe ich zuletzt in Studentenzeiten geschlafen! Zugegebenerma\u00dfen 3x die Woche. Seit langer. langer Zeit ist das aber nicht mehr vorgekommen.<br \/>\nDer Himalaya zeigt mir und den anderen deutlich, dass die Akklimatisationsphase noch nicht abgeschlossen ist. Mit meinem kleinen Marathonschlaf habe ich dem K\u00f6rper aber das gegeben, was er anscheinend ben\u00f6tigte. Denn Kopfschmerz, Konzentrationprobleme und Sch\u00fcttelfrost geh\u00f6ren nach dieser Hauruck-&#8222;Therapie&#8220; der Vergangenheit an.<\/p>\n<p>In dieser Nacht ist mir an einem kleinen Detail wieder einmal eine zentrale Erfahrung eines solchen Extremtrips vermittelt worden:<br \/>\nCirka gegen Mitternacht bin ich kurz erwacht, um einen dringenden k\u00f6rperlichen Bed\u00fcrfniss nachgehen zu k\u00f6nnen. Leichter gesagt als getan, wenn man<br \/>\na. die R\u00e4umlichkeiten nicht kennt und<br \/>\nb. dank eines erneuten Stromausfalls das Zimmer in v\u00f6lliger Dunkelheit liegt.<br \/>\nEin K\u00f6nigreich also f\u00fcr ein bi\u00dfchen Licht!<\/p>\n<p>Technik-Thomas, der Mann, der das gastliche Zimmer mit mir teilt, ist ein pfiffiges und praktisch denkendes Kerlchen. Er hat bei der Vorbereitung der Tour daran gedacht, eine vern\u00fcnftige Taschenlampe zu kaufen und hat diese sogar mit genommen. Ich traue ihm sogar zu, dass er daran gedacht haben k\u00f6nnte, diese f\u00fcr den Notfall -der mir ja nun gerade widerf\u00e4hrt- diese kleine, vermeintlich selbstverst\u00e4ndliche Taschenlampe an einer sinnvollen Stelle im\u00a0 Zimmer zu platzieren.<br \/>\nIch taste also in absoluter Dunkelheit den Raum zwischen unseren Betten ab, habe zun\u00e4chst die obligatorische Wasserflasche in der Hand, finde dann aber direkt daneben das in dieser Nacht extrem wichtige Lichtlein. Erleichterung in jeder Hinsicht.<br \/>\nEin kleines Erlebniss nur, aber es steht stellvertretend f\u00fcr eine Erfahrung, die zu den zentralen dieses Trips geh\u00f6rt: In der eigentlich lebensfeindlichen Welt des Himalaya lernt man die, in unserem Kulturkreis selbstverst\u00e4ndlichen gewordenen &#8222;kleinen&#8220; Dinge des Lebens wieder zu sch\u00e4tzen: Licht, wenn man Licht m\u00f6chte. Wasser, wenn man Wasser m\u00f6chte. Essen, wenn man Essen m\u00f6chte. Sicherlich gibt es auch in dieser Region der Welt diese Basisdinge des Lebens.<br \/>\nSie sind aber niemals selbstverst\u00e4ndlich und nahezu immer mit M\u00fche verbunden. Das gesamte Leben in dieser unwirklichen Region ist mit M\u00fche verbunden. Das Leben ist m\u00fchsam, schlicht und reduziert.<\/p>\n<p>Heute werden wir auf unserem Tagestripp wieder kleine Eindr\u00fccke erhalten in den Alltag der Bewohner der Region. Es sind erschreckende und beeindruckende Begegnungen.<\/p>\n<p>Wir treffen Kinder, die notgedrungen am Rande der Strasse leben, auf der ihr Vater als Arbeiter seinen Tageslohn (\u20ac 1,50) verdient. Sie nehmen uns mit zu ihrer Behausung und wir m\u00fcssen mit Schrecken feststellen, dass neben den 4 etwas gr\u00f6\u00dferen Kindern noch ein ca. 6monatiges Kind in einem, notd\u00fcrftig mit Wellblachplatten abgedeckten Erdloch leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wir treffen Kinder, die in der TCV Branch School Sumdho eine tibetanische Ausbildung inklusive Englschkenntnisse erhalten. Ihre engagierte Lehrerinnen geben uns eine beeindruckende F\u00fchrung durch ihr Institut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Karzok, dem Ort unseres n\u00e4chsten Zeltlagers in 4.600m H\u00f6he, haben wir eine weitere beeidruckende Begeggnung: Wir sind Beobachter einer Puja, einer buddhistischen Andacht.<\/p>\n<p>Die Begegnungen mit den Menschen, ihre Gastfreundschaft, ihre Demut, Fr\u00f6hlichkeit, Bescheidenheit und Spiritualit\u00e4t lassen uns eine weitere Erfahrung machen, die aus diesem Trip bei vielen Teilnehmern wird haften bleiben:<br \/>\nEs bedarf anscheinend viel weniger, als man in unserer \u00dcberflu\u00dfgesellschaft zu glauben meint.<\/p>\n<p>Reisen bildet ja bekannterma\u00dfen.<br \/>\nWir lernen auf etwas unserem Trip. Das wird in den abschlie\u00dfenden Interviews mit den Teilnehmern bei nahezu allen sehr deutlich.<br \/>\nWir lernen bei der Begegnung mit den Menschen von Ladakh: die vermeintlich selbstverst\u00e4ndlichen Dinge des Lebens wieder zu sch\u00e4tzen, mit Weniger zufrieden zu sein und dem Leben h\u00e4ufiger mit gr\u00f6\u00dferer Demut und Bescheidenheit zu begegnen.<\/p>\n<p>Mehr ist von einem Tag und einer Reise nicht zu erwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>* leicht abgewandelt aus: &#8222;Urians Reise um die Welt&#8220; von Matthias Cladius.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoppla. 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