{"id":1959,"date":"2014-09-25T09:42:25","date_gmt":"2014-09-25T09:42:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/?p=1959"},"modified":"2015-11-16T12:07:46","modified_gmt":"2015-11-16T12:07:46","slug":"tag-11-moonland-in-cinemascope-und-in-farbe-kargil-in-schwarz-weiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/tag-11-moonland-in-cinemascope-und-in-farbe-kargil-in-schwarz-weiss\/","title":{"rendered":"Tag 11: MOONLAND in Cinemascope und Farbe."},"content":{"rendered":"<p>Kennt ihr das noch aus den Winnetou Filmen?<!--more--><\/p>\n<p>Wenn ich mich nicht t\u00e4usche haben die damals die Filme im Cinemascope gedreht. Das ist ein Verfahren bei denen man die 35mm Filme erstmals im BREITBAND zeigen konnte.<\/p>\n<p>Ich war 6, 8 oder waswei\u00dfich als ich zum ersten Mal Winnetou gesehen habe. Es war im Kino oder vielleicht auch nur zu Hause. Auf jeden Fall sehe ich mich vor dem geistigen Auge noch heute mit weit offenem Mund vor der Glotze. Ich war geflasht! Und das sogar obwohl es das Wort damals noch gar nicht gab.<\/p>\n<p>Einerseits nat\u00fcrlich weil der b\u00f6se Schurke Rattler mir-nichts-dir-nichts den guten Klekih-petra (den Vater von Winnetou, der sich sch\u00fctzend vor seinen Sohn Pierre Brice stellte) erschossen hat, aber noch viel mehr, weil die (\u00fcbrigens jugoslawische) Landschaft im Cinemascope Look einfach UNFASSBAR geil aussah. Ich werde diese Bilder nie vergessen.<\/p>\n<p>So ungef\u00e4hr ist es von Leh nach Kargil zu fahren.<\/p>\n<p>Wie ein Winnetou Film im Alter von 6. Nur ohne Musik. FANTASTISCH!<\/p>\n<p>Die Traumstrasse f\u00fchrt entlang des Indus in immer faszinierenden Welten, wie es unser Doc Peter so sch\u00f6n beschrieben hat (Peters Blog \u00fcber die gesamte Tour: <a title=\"Blog Peter Markreiter\" href=\"http:\/\/blog.markreiter.eu\/2014\/08\/himalaya-motorrad-expedition-2014\/\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\">Blog Peter Markreiter)<\/a><\/p>\n<p>Nach einem Ruhetag in Leh haben wir die gastliche Stadt fr\u00fch morgens verlassen. Das Gr\u00fcn wird jetzt zur Seltenheit zwischen dem Grau, Gelb, Ocker, Beige und Braun der Hochgebirgsw\u00fcste. Diese bizarre und karge Gegend ist beeindruckend, sie wirkt wie eine unwirkliche Mondlandschaft und hat daher auch konsequenterweise den Namen MOONLAND. Bar jeder Vegetation ragen zerkl\u00fcftete Bergspitzen steil in den Himmel. Aus wei\u00dfem Lehm, den \u00dcberresten eines hier vertrockneten Sees, sind im Laufe der Jahrhunderte die bizarren Felsformationen entstanden. Die H\u00f6he und und die Bergbeschaffenheit sorgen f\u00fcr\u00a0unglaubliche, gro\u00dfe, wandernde Wolkenschatten, deren Eindringlichkeit mit der Kamera nur schwerlich einzufangen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Dane-Trophy-Transhimalaya-Leh-Kargil-16.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-565\" src=\"http:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Dane-Trophy-Transhimalaya-Leh-Kargil-16.jpg\" alt=\"Dane-Trophy-Transhimalaya-Leh-Kargil-16\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Dane-Trophy-Transhimalaya-Leh-Kargil-16.jpg 1000w, https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Dane-Trophy-Transhimalaya-Leh-Kargil-16-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Dane-Trophy-Transhimalaya-Leh-Kargil-16-82x55.jpg 82w, https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Dane-Trophy-Transhimalaya-Leh-Kargil-16-75x50.jpg 75w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wie dem Bild aber zu entnehmen ist, ist die Streckenf\u00fchrung wie gemalt. 234 km sind es von Leh nach Kargil. Ein 10 Stunden Spa\u00df, wie wenn man alle Winnetou Filme auf Kabel 1 an einem verregneten November Sonntag anschaut.<\/p>\n<p>Unser Ziel Kargil liegt direkt an der pakistanischen Grenze und ist erst 1998 von den moslemischen Pakistanis im Kaschmirkrieg zerbombt worden.<br \/>\nDeshalb auch der zwischenzeitliche Hinweis des deutschen Ausw\u00e4rtigen Amtes, diese Gegend Kaschmirs und Zanskars besser nicht zu befahren.<\/p>\n<p>Ein Vorteil der milit\u00e4rischen Bedeutung dieser Strecke: Sie ist PERFEKT ausgebaut. Feinster Asphalt schl\u00e4ngelt sich durch das MOONLAND. Das Fahren ist eine wirkliche Freude. Es herrschen 30 Grad und die vorbeiziehenden Bilder brennen sich f\u00fcr alle Zeiten auf die Festplatte des Gehirns. Direkt neben Winnetou I.<\/p>\n<p>F\u00fcr 234km haben wir wieder 9 Stunden ben\u00f6tigt. Es h\u00e4tte aber gerne doppelt so weit sein k\u00f6nnen.<br \/>\nMitten in dieser fast surreal sch\u00f6nen Welt zeigt sich dann auf einmal wieder die Skurrilit\u00e4t des indischen Lebens, die zur Faszination dieser Reise einen wichtigen Beitrag leistet. Hinter jeder Biegung erwarte ich das Unerwartete: Ich biege um die gef\u00fchlt 1531 fantastische Kuve des heutigen Tages, als ich an 2 M\u00e4nnern vorbei komme, die die Stra\u00dfe fegen.<\/p>\n<p>Mein Gehirn braucht ca. 10sek um das Gesehene zu realisieren. Wir sind Hunderte von Kilometern durch Indien gefahren, haben den Schmutz und Gestank Dehlis erlebt, hatten auch in guten Restaurants immer ein wenig M\u00fche, eine sanit\u00e4re Anlage zu finden, deren Hygiene wenigstens 1\/10 der Sauberkeit eines deutschen M\u00e4nner-Studenten WCs erreicht und hier im Niemandsland, auf dem Mond, in der Menschenleere von \u00fcber 5000m H\u00f6he, nur umgeben von Sand, Stein und Ger\u00f6ll FEGEN 2 M\u00e4nner DIE STRA\u00dfE??? Ich drehe um und frage die beiden gut gelaunten Alten, was denn hier wohl ihr Auftrag w\u00e4re. Erstaunt \u00fcber meine naive Frage antworten sie mir, dass dies doch ihr Job w\u00e4re.<\/p>\n<p>Mir liegt die Frage auf der Zunge, was das denn f\u00fcr ein Sinn habe, wenn man bedenken w\u00fcrde, dass schon 2m hinter ihnen der W\u00fcstensand wieder gezeigt hat, wo der Sand-Hase hier lang l\u00e4uft. Ihr erstauntes Gesicht angesichts meiner ersten Frage nach ihrem eigentlichen Auftrag macht mir aber deutlich, dass sie sich \u00fcber die Frage nach der Sinnhaftigkeit ihres Tuns noch nie Gedanken gemacht haben und ich sie deshalb auch gar nicht erst zu stellen brauche. Unter meinem Helm l\u00e4chelnd muss ich mir eingestehen, dass die Frage ja auch eine gewisse deutsche Kleinkariertheit inne hat, wenn man in dieser sch\u00f6nen Umgebung an so einem sch\u00f6nen sonnigen Tag, einen so geruhsamen Job wie den dieser gl\u00fccklich aussehenden W\u00fcstenstrassen-Strassenfeger hat. Sisyphos muss man sich bekannterma\u00dfen ja als gl\u00fccklichen Mann vorstellen*. Die Jungs haben noch 150 Fegekilometer bis Leh. Es gibt also viel zu tun und ich will sie nicht aufhalten.<\/p>\n<p>Ich habe noch 90km bis Kargil. Da wird aus dem Cinemascope Film ein schwarzwei\u00dfer.<\/p>\n<p>Bis dahin nahm der Tag seinen \u00fcblichen, faszinierenden Verlauf: Wir mu\u00dften kleine Probleme l\u00f6sen, haben faszinierende Kultur gesehen und skurrile Szenen erlebt. Konkret und beispielhaft:<\/p>\n<p>Kleines Problem: Christoph, unser Youngster, hat unsere Abfahrt zum Lamayuru verpa\u00dft, einem der imposantesten Kl\u00f6ster des Industals. Wie ein Adlerhorst drohnt es \u00fcber dieser imposanten und doch so abstrusen Landschaft. Christoph ist versehentlich geradeaus gefahren und wurde erst nach einer wilden Verfolgungsfahrt kurz vor Kargil von unserem indischen Guide wieder eingefangen.<\/p>\n<p>Faszinierende Kultur: Zur Mittagszeit haben wir jenes Kloster Lamayuru besucht, dort gut zu Mittag gegessen und neben der fantastischen Aussicht in das Tal die wertvolle Statuen und Wandmalereien bewundert.<\/p>\n<p>Skurrile Szenen: Hotelsuche in Kargil. Einer der wenigen Autofahrer, die in Kargil unterwegs sind, gab uns zu verstehen, dass er ein Hotel mit dem von uns genannten Namen kennen w\u00fcrde. Ein kurzes Handzeichen von ihm und wir bogen zun\u00e4chst in die &#8222;Fu\u00dfg\u00e4ngerzone&#8220; und dann mit 10 Enfields direkt in Richtung einer Hotelrezeption ab. Unser Stefan (&#8222;Flying Dutchman&#8220;), ein Holl\u00e4nder, schaffte es dank des spiegelglatten, nagelneu verlegten Marmors im Hotel Eingangsbereich aus der Hotelrezeption ein &#8222;Bike In&#8220; zu machen. Erst mitten in den bereits aufgestellten Blumenk\u00fcbeln brachte er seine Enfield im Eingangsbereich zum Stehen bzw. Liegen.<\/p>\n<p>Die Holl\u00e4nder m\u00f6gen bekanntlich Blumen.<\/p>\n<p>So standen wir also mit 10 Enfields auf dem jungfr\u00e4ulichen Marmor und in den Blumenk\u00fcbeln und warteten auf unseren Guide &#8222;Papa Moti&#8220;. Mit dem kindlichen Stolz erf\u00fcllt, dass versteckt gelegene Hotel auch ohne seine Hilfe gefunden zu haben. Das Personal schaute uns ebenso verdutzt an, wie wir sie. Als Moti kam stellte sich heraus, dass der Marmorbereich vom Architekten eigentlich nicht als Parkplatz gedacht war. Nicht weiter schlimm, denn es war auch nicht unser Hotel.<\/p>\n<p>Mit ein paar satten Reifenabdr\u00fccken auf dem feinen Grund lie\u00dfen wir das, angesichts der Zerst\u00f6rungen, sehr entspannte Personal winkend zur\u00fcck, w\u00fcnschten noch viel Gl\u00fcck zur bevor stehenden Er\u00f6ffnung und bogen um die Ecke zu dem von uns tats\u00e4chlich gebuchten Hotel.<\/p>\n<p>10x Bikes-DriveIn-in-der-Eingangshalle-am-Er\u00f6ffnungstag. Kein Problem in Indien.<\/p>\n<p>Ein gr\u00f6\u00dferes Problem ist es dann schon im moslimisch gepr\u00e4gten Kargil das obligatorische Kingfisher Bier auf zu treiben. Erst nach intensiver Nachfrage hatten wir 7 sp\u00e4rliche Flaschen f\u00fcr 22 Personen in Alufolie verpackt auf dem Tisch. Nat\u00fcrlich zu europ\u00e4ischen Preisen. Verbotenes hat aber ja bekanntlich seinen Reiz.<\/p>\n<p>Den \u00fcberschaubaren dunklen Reiz von Kargil schildern wir aufgrund der F\u00fclle von Bildern dann beim n\u00e4chsten Mal.<\/p>\n<p>Dieser Text hier ist ja schlie\u00dflich jetzt schon ganz sch\u00f6n lang. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>* siehe: <a title=\"Der Mythos des Sisyphos\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Mythos_des_Sisyphos\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Mythos_des_Sisyphos<\/a><\/p>\n<div class=\"Vorlage_Zitat\" style=\"margin: 1em 40px;\">\n<div style=\"margin: 1em 0;\">\n<blockquote style=\"margin: 0;\"><p>\u201eDarin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal geh\u00f6rt ihm. Sein Fels ist seine Sache. [&#8230;] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung h\u00f6rt nicht mehr auf. Wenn es ein pers\u00f6nliches Geschick gibt, dann gibt es kein \u00fcbergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Dar\u00fcber hinaus wei\u00df er sich als Herr seiner Tage. (&#8230;) Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszuf\u00fcllen. Wir m\u00fcssen uns Sisyphos als einen gl\u00fccklichen Menschen vorstellen.\u201c<\/p>\n<p>Albert Camus \u2013 Der Mythos des Sisyphos: 6. Aufl., Reinbek, 2004. S. 159f.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennt ihr das noch aus den Winnetou Filmen?<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":1960,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1959"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1959"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1959\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3558,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1959\/revisions\/3558"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1960"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1959"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1959"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}