{"id":1968,"date":"2014-09-25T09:50:07","date_gmt":"2014-09-25T09:50:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/?p=1968"},"modified":"2016-04-01T14:40:55","modified_gmt":"2016-04-01T14:40:55","slug":"tag-14-mr-flowers-oder-wie-das-leben-sein-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/tag-14-mr-flowers-oder-wie-das-leben-sein-sollte\/","title":{"rendered":"Tag 14: Mr. Flowers oder wie das Leben sein sollte."},"content":{"rendered":"<p>Der 14. Tag wird einer der intensivsten Tage meines Lebens.<!--more--><\/p>\n<p>Wir haben den fantastischen, fantastischen FOTU LA Pass in das Kaschmirtal \u00fcberwunden und n\u00e4hern uns jetzt der 1,2 Mio Einwohnerstadt Srinagar.<\/p>\n<p>Mr. Moti hat Kolonnenfahrt angeordnet, denn der Verwaltungssitz der Region Kashmir ist un\u00fcbersichtlich und quirlig. Zudem ist die Stadt auch, aufgrund seiner N\u00e4he zur pakistanischen Grenze, jahrelang Zentrum des pakistansich-indischen Kashmirkonflikts gewesen. Die Terrorismusgefahr ist latent und ihre noch immer anhaltende Bedrohung wird uns am Tag unserer Abreise am Flughafen deutlich, als die Sicherheitsvorkehrungen sich solange hinzogen, dass wir trotz eines 3 Stunden-Puffers beinahe unseren Flug nach Dehli verpasst h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Erst einmal aber beenden und kr\u00f6nen wir unseren Abenteuertrip auf eine Art und Weise wie sie besser nicht sein kann.<\/p>\n<p>Der einzige kleine Makel: Aufgrund eines kleinen Mi\u00dfverst\u00e4ndnisses verpassen wir die Gelegenheit uns in geb\u00fchrenden Ma\u00dfe von unseren, uns ans Herz gewachsenen Begleitern, den 22 ROAYAL ENFIELD BULLETS zu veraschieden. Sie haben uns durch unwegbarstes Gel\u00e4nde und auf h\u00f6chste H\u00f6hen getragen und wir lassen sie schn\u00f6de auf einem staubigen, an einer Einfallsta\u00dfe nach Srinargar liegenden Parkplatz zur\u00fcck. Nicht etwas, weil wir ihre treuen Dienste nicht zu sch\u00e4tzen w\u00fc\u00dften, sondern weil wir nicht ahnten, dass die Meter auf dem Parkplatz aufgrund der \u00f6rtlichen Gegebenheiten unsere letzten gewesen sind. Es tut uns leid!<\/p>\n<p>Nachdem wir uns gegenseitig begl\u00fcckw\u00fcnscht hatten, dass wir zumindest den Streckenteil der DANE TROPHY TRANSHIMALYA mehr oder minder gesund \u00fcberstanden haben, f\u00fchrt uns Mr. Moti zu einem kleinem Anlegeplatz mit mehreren Dutzend kleinen Transportbooten. Srinagar befindet sich auf einer H\u00f6he von 1.730 m \u00fcber dem Meeresspiegel zentral im Hochbecken von Kaschmir am Fluss JHELAM. Dieser Fluss verbreitet sich nahe Srinagar zum DAL-SEE, der f\u00fcr seine zahlreichen Hausboote bekannt ist. Unsere Hausboote liegen auf der gegen\u00fcberliegende Seite des Sees, so da\u00df wir ab jetzt nur noch erschwert Zugriff auf unsere Mopeds h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Wir verlassen also unsere zuverl\u00e4ssigen Enfields auf ihrem staubig trostlosen Parkplatz und erleben innerwahl der folgenden wenigen Minuten einen Kontrast, wie ich ihn wohl selten erlebt habe und wohl auch selten wieder erleben werde.<\/p>\n<p>Gerade eben noch waren wir auf den H\u00f6hen des Himalayas Anstrengungen und Herausforderungen ausgesetzt, die fast jeden von uns an seine k\u00f6rperlichen Grenzen gebracht hat. Wir waren 14 Tage auf unwegsamen Gel\u00e4nde und staubigen Strassen unterwegs und haben in den letzten Stunden bei der An\u00e4herung an Srinagar noch die Hektik, Lautst\u00e4rke und Quirrligkeit des indischen Gro\u00dfstadtverkehrs ertragen. Und jetzt, jetzt steigen wir in ein paar traditionell bunte, kleine Transportboote, plazieren uns selbst auf einer einladenden Liegefl\u00e4che und werden mit wenigen Paddelschl\u00e4gen in ein Meer von Ruhe verfrachtet.<\/p>\n<p>Wenige Meter vom Ufer antfernt, f\u00e4llt die gesamte Anspannung und die Anstrengung der letzten beiden Wochen g\u00e4nzlich von uns ab. Der Dal-See strahlt eine unglaubliche, nahezu majest\u00e4tische Ruhe aus. Jeder Paddelschlag bringt uns weg von den Entbehrungen der vergangenen 2 Wochen. Und neben der \u00e4u\u00dferen Ruhe breitet sich in uns mit diesen Paddelschl\u00e4gen auch eine gro\u00dfe innere Ruhe aus. Wir haben den intensivsten Trip unseres Lebens gut \u00fcberstanden und wir werden die kommenden Stunden an diesem fantasstichen Flecken Erde nutzen, um zusammen und jeder f\u00fcr sich das gemeinsam Erlebte zu verarbeiten und ein zu ordnen. Und daf\u00fcr gibt es keinen besseren Ort als ein Hausboot am DAL-See.<\/p>\n<p>Unsere Unterk\u00fcnfte in den vergangenen Tagen waren zweckm\u00e4\u00dfig und spartainsch. Die Flu\u00dfhausboote sind opulent, gro\u00dfz\u00fcgig und komfortabel.<\/p>\n<p>Es ist schwer zu beschreiben, wie gro\u00df der Kontrast zu den entbehrungsreichen Tagen im Himalaya ist. Aber eben dieser Kontrast wird uns die abschlie\u00dfenden Hausboot Tage nie vergessen lassen. Alle unsere 4 Boote sind mit einer Art &#8222;Terrasse&#8220; versehen, die wiederum mit dem Nachbarschff verbunden ist. Wie haben unendlichen Raum, ein reichhaltiges Fr\u00fchst\u00fcck und auf jedem Boot einen &#8222;Verwalter&#8220;, der uns jeden Wunsch erf\u00fcllen kann und von der Wasserseite her immer wieder freundliche &#8222;G\u00e4ste&#8220;, die aus der Versorgung der Boote eine Gesch\u00e4ftsidee entwickelt haben. Ein Fingerzeig gen\u00fcgt und alle erdenklichen Waren und Mittel werden uns ans Boot gebracht,<\/p>\n<p>Die Natur beschenkt uns mit unglaublichen Farb- und Lichtspielen und der See und die Menschen die sich auf ihm bewegen strahlen eine unglaubliche Ruhe und W\u00fcrde aus.<\/p>\n<p>Wir zeigen uns dankbar und erfreuen die Hausbootverwalter mit einer Bier-Abschlussrechnung von \u20ac 550,-, was durchaus einen neuen See-Rekord darstellen k\u00f6nnte, zumal man bedenken muss, dass Srinagar muslimisch ist und Bier daher nur unter der Bootstheke verkauft werden darf. Der Abend endet mit einer gemeinschaftlichen Party auf einem extra gecharterten Partyboot. Der indische Drang zur Skurrilit\u00e4t wird dieses mal von der Band \u00fcbernommen, die ihre gar nicht so schlechte Musik nur in infernalischer Lautst\u00e4rke pr\u00e4sentieren mag. Wir k\u00f6nnen dar\u00fcber hinweg sehen, da uns der Bierkonsum noch entspannter gemacht hat und wir uns ohnehin mit all unseren neu gewonnen Freunden an das Heck des Partyboats zur\u00fcck gezogen haben. Dort lassen wir die gesamte Reise noch mal Revue passieren, w\u00e4hrend sich die indische Version des hyperaktiven m\u00e4nnlichen Boney M. T\u00e4nzers nicht davon abhalten l\u00e4\u00dft, \u00fcber Stunden alles zu geben.<\/p>\n<p>Wir bedanken uns mit Applaus und gro\u00dfz\u00fcgigen Trinkgeld.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen machen wir dann noch MR. FLOWERS als letzten indischen Abschiedsgruss gl\u00fccklich und reich.<\/p>\n<p>Mr. Flowers Gesch\u00e4ftsidee ist der Verkauf von Blumensamen. Er hat mich entdeckt, als ich am fr\u00fchen Morgen mit einem Blick auf den ruhig darliegenden See die Nachwirkungen der Nacht mildern m\u00f6chte. Da die Floristik nicht zu meinen intensivsten Hobbys geh\u00f6rt, mache ich Mr. Flowers darauf aufmerksam (wie jeder Verk\u00e4ufer hat er durch Nennung von ein paar deutschen St\u00e4dten meine Sympathie erschlichen und dabei leise und konsequent und freundlich mit einer exotischen Blume in der Hand das Heck gekapert), dass wir eine Truppe von 22 ganz toughen Motoradtypen w\u00e4ren und er KEINE CHANCE h\u00e4tte mir oder sonst irgendwem der noch schlafenden Moped-Machos BLUMENSAMEN zu verkaufen.<\/p>\n<p>Mr. Flowers l\u00e4\u00dft sich von meinem energischen Auftritt nicht beeindrucken, sondern entert gegen 10:00 Uhr nochmals unsere Boote. Durchgehend freundlich l\u00e4chelnd verl\u00e4\u00dft er sie wieder gegen 10:10 Uhr mit einem Auftragsvolumen von \u20ac 95,- in der Tasche. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass laut Mr. Moti der durchschnittliche Monatslohn bei \u20ac 50,- liegt und der Warenwert des Blumensamens nach seiner Sch\u00e4tzung von cirka \u20ac 2,50 hat.<\/p>\n<p>Etwas ungl\u00fccklich ist zudem, dass Klaus, unser deutscher Eink\u00e4ufer, sich nicht hat erkl\u00e4ren lassen, um welche Art Blumen es sich handelt. Dies ist aber eigentlich auch egal, denn er darf sie ohnhein nicht ausf\u00fchren.<\/p>\n<p>Mr. Flowers jedenfalls ist gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Und wir sind es auch.<\/p>\n<p>Denn die Story ist eine weitere kleine Anekdote in unserem schon \u00fcbervollen Anekdotenschatz dieser fantastischen Reise.<\/p>\n<p>Wir chillen noch einen weiteren Tag.<\/p>\n<p>Dann verlassen wir die Himalayaregion etwas stolzer, dem\u00fctiger, aufgeschlossener, dankbarer, neugieriger mit vielen neuen Freunden.<\/p>\n<p>Was kann eine einzige Reise mehr bieten?!<\/p>\n<p>Wir kommen wieder!<\/p>\n<p>Garantiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 14. 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