{"id":3936,"date":"2016-08-07T15:36:26","date_gmt":"2016-08-07T15:36:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/?p=3936"},"modified":"2018-07-25T14:48:39","modified_gmt":"2018-07-25T12:48:39","slug":"die-toy-train-schaukel-in-den-himalaya","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.motoport.de\/dane-trophy\/die-toy-train-schaukel-in-den-himalaya\/","title":{"rendered":"Tag 1: Der Toy-Train Modus.  Wo ist Jim Knopf?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tag 1: Die &#8222;Toy Train&#8220; Schaukel in den Himalaya.<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Ich freue mich, wenn es regnet. Wenn ich mich \u00e4rgere, regnet es ja auch&#8220;.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dehli. 30 Millionen Einwohner!<\/p>\n<p>Die vierte DANE Transhimalaya-Trophy startet in der Hauptstadt Indiens. Dreckig, laut. Fantastische Farben und graue Gesichter. Schrecklich und sch\u00f6n. Ein Moloch von Stadt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Schon auf unserem Weg zum Hauptbahnhof best\u00e4tigt sich unser Eindruck, den wir bereits auf den vergangenen Touren von Dehli bekommen haben.&nbsp; Es sind so viele Menschen, dass das einzelne Leben nicht viel Wert zu haben scheint. Der Bahnhofsvorplatz ist \u00fcbervoll mit Menschen. Jeder der Tagel\u00f6hner ist damit besch\u00e4ftigt, sein eigenes \u00dcberleben zu sichern. Sie ringen um die Dienste f\u00fcr die Touristen. Sie schlafen auf dem Boden, betteln um Geld. Ein gro\u00dfes Menschentheater in der schw\u00fclen Hitze Indiens. Keine Sekunde des Stillstands, keine Sekunde der Ruhe. Faszinierend und absto\u00dfend zugleich.<\/p>\n<p>Es ist ein Kulturschock, wenn man diese Stadt erstmals betritt.<\/p>\n<p>Indien hat viele Facetten. Wer versuchen will dieses Land zu verstehen, sollte seine Hauptstadt gesehen haben. Letztendlich entspringt die Faszination Indiens aus der unfa\u00dfbaren Vielfalt des Subkontinents. Und Dehli ist eine Facette.<\/p>\n<p>Wir allerdings nutzen nach nur einem Tag Aufenthalt den Zug, um in eine andere Welt zu gelangen.<\/p>\n<p>Der &#8222;Toy Train&#8220; bringt uns weg aus der Stadt, in die fantastische Natur des Himalayas und in den indischen Modus.<\/p>\n<p>Der &#8222;Toy Train&#8220; ist eine Schmalspur-Eisenbahn aus Zeiten des englischen Kolonialismus. Wir steigen um in die andere Welt. Schon hier entfaltet sich die andere Seite Indiens. Ein intensiver Kontrast zum hektischen, menschenvernichtenden Moloch Dehli. In der Himalaya Region herrscht die Natur. Auf dieser H\u00f6he der Himalaya-Region ist sie \u00fcppig und beruhigt. Der 50er Jahre Charme des \u201eToy Train&#8220; tut sein \u00fcbriges. Erstmals werden wir entschleunigt.<\/p>\n<p>Der Schmalspurzug schleppt sich mit cirka 30 km\/h langsam und kontinuierlich in immer gr\u00f6\u00dfere H\u00f6hen. Die T\u00fcren sind ebenso offen wie die Menschen, die uns im Zug begleiten und begegnen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns w\u00e4hrend der Fahrt aus der ge\u00f6ffneten T\u00fcr lehnen, w\u00e4hrend drau\u00dfen der Himalaya seine Sch\u00f6nheit pr\u00e4sentiert. Es ist wie eine Zeitreise. Die Farben Indiens sind pr\u00e4chtig, als Fotograf wechselt man allerdings unwillk\u00fcrlich auf schwarz-wei\u00df, weil diese Reise so zeitlos erscheint. Durch den 50er Jahre Charme des \u201eToy Train&#8220; f\u00fchlt es sich an, wie eine Fahrt zur\u00fcck in das Gef\u00fchl der eigene Kindheit: W\u00e4rme, Fahrtwind, Entschleunigung. Das Gef\u00fchl eines Ferienausfluges zu einem aufregenden Ziel. Vorne in der Lok werden Jim Knopf und Lukas zu finden sein. Wir auf jeden Fall sind so entspannt wie zuletzt in unserer Kindheit an einem Nachmittag mit der Augsburger Puppenkiste. Nach dem Baden.<\/p>\n<p>Das Gep\u00e4ck steht in den G\u00e4ngen, die Toilette ist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig und au\u00dfer dem Fahrtwind gibt es keine K\u00fchlung. Aber schon in diesem Spielzeugzug beginnt Indien seine Faszination zu entfalten. Wir sind frei! Denn wir sind weit weg von unseren Verpflichtungen. In den n\u00e4chsten 8 Tagen wird uns keine Email und kein Anruf erreichen. Wir haben kein Internet und kein WhatsApp. Wir haben noch nicht einmal den Stress eines Entscheidungsdrucks, denn wir k\u00f6nnen noch nicht einmal immer selbst dar\u00fcber bestimmen, wann wir wann wo hin kommen. Das ist ungewohnt und auch auf gewisse Weise irritierend. Aber es macht auch gelassen. Und frei.<\/p>\n<p>Der Kopf wandert weg von den weit entfernten Dingen des europ\u00e4ischen Alltags. Man braucht sich keine Gedanken machen, \u00fcber Angelegenheiten im entfernten Europa, denn man k\u00f6nnte auch nichts \u00e4ndern, wenn man es \u00e4ndern wollte.<\/p>\n<p>Auch an den indischen Verh\u00e4ltnissen, das werden wir noch erfahren, k\u00f6nnen wir bisweilen nicht viel&nbsp;\u00e4ndern. Und angesichts der in Indien herrschenden Unab\u00e4nderlichkeit mancher Geschehnisse, entwickelt der Inder eine gro\u00dfe Gelassenheit gegen\u00fcber quasi ALLEM. Auch wir werden dies sp\u00e4ter noch lernen, dass es keinen Sinn macht sich \u00fcber eine gesperrte Strasse, einen versp\u00e4teten Zug, eine sinnlose Regel, oder ein unn\u00f6tigerweise notwendiges Papier aufzuregen.<\/p>\n<p>Mr. Moti, unser Guide, hat dies schon l\u00e4ngst verstanden und erkl\u00e4rt mir schon zu Beginn unserer Reise, auf meine Frage nach dem Hintergrund seines anhaltenden und ansteckenden Optimismus, dass er sich sogar freue, wenn es regnet. Denn wenn er sich \u00e4rgere, w\u00fcrde es ja auch regnen. Ein Satz von nahezu philosophischer Kraft, den wir mit zur\u00fcck nach Deutschland nehmen, um ihn dort in den M\u00fchen des Alltags langsam verblassen zu lassen.<\/p>\n<p>Schade, denn eigentlich sollte man das Leben so betrachten: Vergeude nicht deine Kraft, noch nicht einmal deine Gedanken, an Dingen, die Du nicht \u00e4ndern kannst.<\/p>\n<p>Und hier in der Gelassenheit Indiens gelingt es uns sogar. Das monotone Geratter des \u201eToy Train&#8220; untermalt unser zunehmende Entspanntheit. Die Vegetation ist \u00fcppig und das Klima moderat dampfsaunenhaft, die Fenster weit offen. Die faszinierende Landschaft zieht im Zeitlupentempo an uns vorbei und der Zug schaukelt uns in immer gr\u00f6\u00dfere H\u00f6hen und zugleich in den entspannten Modus, der zum Grundton unserer Reise werden soll.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Eq7SBmTyL1k\" width=\"1280\" height=\"720\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>In den kommenden 10 Tagen m\u00fcssen wir Motorrad fahren und die Landschaft an uns vorbei ziehen lassen.<\/p>\n<p>Die vielleicht gro\u00dfartigste Landschaft der Welt.<\/p>\n<p>Kein Telefon, kein WhatsApp, kein Internet. Und weit und breit kein Grund, sich zu \u00e4rgern. Wozu auch, es regnet ja noch nicht einmal. Der &#8222;Toy Train&#8220; bringt uns in aller Entspanntheit zu unseren Motorr\u00e4dern und er rattert beruhigend monoton.<\/p>\n<p>Abenteuer, wir fahren langsam, aber wir kommen. Es bleibt uns Zeit, uns darauf einzustellen, was noch kommen wird. Tief liegende Erinnerungen r\u00fcttelt der &#8222;Toy Train&#8220; in uns wach. Wir f\u00fchlen uns wie Kinder auf der R\u00fcckbank des elterlichen Wagens auf dem Weg in die erste gro\u00dfe Ferienreise. Die Sommerluft str\u00f6mt rein, wir sind sorgenfrei und haben alle Zeit der Welt. Wir sind zugleich m\u00fcde und aufgeregt, im Angesicht des bevorstehenden Abenteuers, das wir -wir f\u00fchlen es schon jetzt- f\u00fcr immer im Ged\u00e4chtnis behalten werden, weil es so neu, beeindruckend und anders&nbsp; ist. Himalaya, wir fahren langsam, aber wir kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 1: Die &#8222;Toy Train&#8220; Schaukel in den Himalaya. &#8222;Ich freue mich, wenn es regnet. 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