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Der BMW Retrotrend hatte wohl schon zart

begonnen, sich allerdings noch nicht allzu sehr

Richtung Nordseeküste vorgearbeitet. In Barcelona

allerdings, so schließt sich der Kreis, hatte ich bei

Fotoarbeiten für unseren MotoPort-Katalog einen

ersten BMW Umbau gesehen. Einen Umbau von

Karles von Fuel Motorcycles in Barcelona.

Ich bin geboren in der Nähe von Bremerhaven und

wahrscheinlich spielt diese Tatsache bei dem über-

fallartigen Kauf der BMW eine gewisse Rolle. Denn

vielleicht auch weil Bremerhaven der Ort meiner

von allerlei Verwirrungen begleiteten Erwachsenen-

wertung war, entwickelte ich sofort ein wohlig-

nostalgisches Gefühl für den Haufen Eisen.

Die R100R erinnerte mich irgendwie an mein

Von meinem alten Freund und meiner Wenigkeit existieren Bilder,

die uns auf der Tribüne des Olympischen Stadions während

eben jener Olympischen Spiele in Barcelona zeigen. Bilder von

so großer Seltsamkeit, dass ich sie noch nicht einmal beschreiben

möchte, geschweige denn zeigen.

Damals – ich erinnere mich noch – fühlten wir uns während

unseres Barcelona Motorradtrips wie junge langhaarig-entspannte

Kosmopoliten.

Betrachte ich heute die Bilder, sehe ich zwei Dorfchecker mit

Spliss. Höchstens.

Es ist einfach eine ärgerliche Tatsache, dass man in der Vergan-

genheit IMMER dümmer war, als man zu sein glaubte. Mit etwas

Abstand und Erfahrung bewertet man die Dinge der Vergangen-

heit mit etwas klarem Verstand anders. Das gilt für Motorräder

ebenso wie für Frisuren.

Schönheit, Design, Mode und sogar die Selbsteinordnung sind

nun mal immer abhängig von Zeitgeist, Entwicklungsstand, Milieu

und eintausend weiteren Dingen. Eine halbwegs objektive Bewer-

tung ist wohl nur mit Abstand möglich. Etwas Abstand wiederum

verzerrt die Bewertung, da das Gefühl für den Zeitgeist sich schon

verflüchtigt hat.

Für eine BMW R100R bedeutet das wohl, dass sie nie so scheiße

war, wie wir damals dachten. Und das die ästhetische Bewertung

einer BMW sich daher im Laufe der Zeit genauso einer 180 Grad

Wendung vollziehen kann, wie alles andere. Hat sie aber nicht!

Die BMW R100R ist auch heute noch im Originalzustand nur

schwerlich als schön zu beschreiben, um es wirklich vorsichtig zu

umschreiben. Ihre Schönheit liegt im Verborgenen. Wie bei vielen

Dingen des Lebens. Auch diese Erkenntnis ist von allgemeiner

Natur und auch sie benötigt ein wenig mehr Lebenserfahrung

als Mittzwanziger in der späten Spätpubertät, wie wir es damals

waren.

Der dritte Baustein des Erklärungsversuches ist der seltsame Reiz

des Nostalgischen. Naturgemäß auch eine Erkenntnis, die man

erst gewinnen kann, wenn man irgendetwas nostalgisch betrach-

ten kann.

Meine R100R fand ich 2011 in all ihrer Langweiligkeit und Un-

spektakulärheit bei meinem Händler des Vertrauens in Bremerha-

ven, bei Harry Zager.